SBK017 Ausreise (Teil 1)

Meine Eltern haben 1987 einen Ausreiseantrag gestellt. Warum sie diesen Schritt gewagt haben, welche Konsequenzen er mit sich brachte und was während der zweijährigen Wartezeit bis zur Ausreisegenehmigung alles geschah, darüber sprechen wir in dieser Folge.
Erschienen am 23.02.2013

SBK017 Ausreise (Teil 1) "Sie haben kein Recht, dieses Land zu verlassen!" Dies wurde meinen Eltern von Vertretern der DDR-Staatsorgane bei einem Gespräch mit Bestimmtheit gesagt. Der Auslöser: meine Eltern hatten 1987 einen Ausreiseantrag gestellt. Warum sie diesen Schritt gewagt haben, welche Konsequenzen er mit sich brachte und was während der zweijährigen Wartezeit bis zur Ausreisegenehmigung alles geschah, darüber sprechen wir in dieser Folge. Das Thema – eines der am häufigsten nachgefragten – haben wir aufgrund der vielen Aspekte in zwei Episoden aufgeteilt. Diese Folge endet mit dem Tag, an dem unserem Antrag statt gegeben wurde. In der nächsten Episode geht es dann weiter mit den tatsächlichen (Aus-)Reisevorbereitungen und dem "großen Tag".




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21 Gedanken zu „SBK017 Ausreise (Teil 1)

  1. Pingback: Vorhersage Samstag, 23.02.2013 | die Hörsuppe

  2. Hallo Martin, ich fand diese Folge von der ersten bis zur letzten Minute wahnsinnig spannend, fast schon wie ein Krimi. Man hat ja vorher schon oft von den Ausreisen gehört oder gelesen, aber bei solch einer hautnahen und detailierten Berichterstattung aus erster Hand kann man fast mitfühlen, wie es damals gewesen sein muss. Es war unglaublich mutig von Eltern, diesen Schritt gewagt zu haben. 2 Jahre lang mit dieser Ungewissheit zu leben, ohne zu wissen, wie es ausgehen wird. Und dann noch mit diesen ganzen Schikanen und Hürden klar zu kommen, ohne aufzugeben… ganz großen Respekt. Ein paar Mal musste ich auch schmunzeln, mit welchen Methoden man euch versucht hat, umzustimmen und wie souverän dein Vater darauf reagiert hat. (z.B. der Brief des Rückkehrers) Ich kann die nächste Folge kaum erwarten… Grüße an deine Eltern. Macht unbedingt weiter so.

  3. Dankeschön – die Grüße habe ich bestellt. Ich fand die Folge auch für mich sehr spannend. So im Zusammenhang der ganzen zwei Jahre hatte ich das Erlebte auch noch nicht gehört, immer nur wieder mal einzelne Episoden, wenn wir mal in Gesprächen drauf kamen. Von daher ging’s mir schon beim Aufnehmen ähnlich wie Dir und ich habe mir selbst die Folge sogar noch zweimal angehört. Klingt jetzt hoffentlich nicht nach Eigenlob 🙂

  4. Ich bin tief beeindruckt. Teilweise emotional aufgewühlt, zu hören, wie es war.
    Und wie mutig Deine Eltern waren. Und wie verantwortungsbewußt.
    Ich habe meine Verwandten in der DDR nach 1972 oft besucht, aber vieles
    was ich hier gehört habe, wurde nicht ansatzweise in unserer Familie angesprochen. Ich habe hier mehr über die DDR gelernt als bei den nicht wenigen Besuchen. Und ich bedauere, nicht so intensiv mit meinen Eltern über ihre Vergangenheit in der Nazizeit gesprochen zu haben.

    Diese Podcastreihe sollte in jedem Geschichtsunterricht als Quelle empfohlen, wenn nicht verwendet werden.

    Allen Fischers möchte ich für diese Podcastreihe herzlich danken.

  5. Ich bin hin und weg, das war wirklich gut. Frank Elsner hat recht, sowas gehört in den Schulunterricht.

    Mein Stiefvater ist 1986 aus der DDR ausgereist. Leider ist er früh gestorben und ich hatte nie die Möglichkeit mir die Vorgeschichte erzählen zu lassen. Ich weiß nur, dass er auch einen Brief an Erich Honecker adressiert nach Berlin geschickt hat. Wie es dazu gekommen ist, was in dem Brief stand ob es darauf direkte oder indirekte Reaktionen gab habe ich ihn nie fragen können.
    Aber zum Thema Besuch im Westen habe ich eine Story zu erzählen. 1988 kamen die Tante und der Onkel meines Stiefvaters zu Besuch. Sie waren pensionierte Lehrer und wie sich später herausgestellt hat auch IMs der Stasi.
    So Leute, die man ein als 100%ige bezeichnet.
    An einem Samstag waren wir in der Osnabrücker Innenstadt unterwegs. Uns kamen 2 Polizisten entgegen. Mein Stiefvater sprach sie an. In ein paar kurzen Sätzen erklärte er ihnen, dass er Kohl nicht ausstehen könnte, seine Politik falsch sei und man sowieso besser den Sozialismus einführen sollte. Die Polizisten waren wohl etwas verdutzt. Mein Stiefvater zeigte auf seine Tante und seinen Onkel, die neben ihm standen und sagte den Polizisten, dass dies sein Besuch aus der DDR sei und er ihnen mal zeigen wolle was Meinungsfreiheit ist.
    Ich kann mich an das Ereignis erinnern, aber mit 9 Jahren habe natürlich nicht verstanden worum es wirklich geht.
    Jedenfalls eine sehr schöne Aktion. Onkel und Tante hatten danach nicht die beste Laune, aber das macht es nur noch besser. 😉

    Eine Sendung über die Zeit der Wende wäre interessant. Darüber, wie deine Eltern die massenweise Flucht, die Besetzung der Botschaft in Prag, die Montagsdemonstrationen und schließlich den Mauerfall wahrgenommen haben.
    Das gleiche könnte man auch noch über die Zeit zwischen Mauerfall und Wiedervereinigung machen . Die Themen sollten euch nicht so schnell ausgehen.

    Freue mich schon auf die nächste Sendung.

  6. Dankeschön für Dein Lob, das ich natürlich weitergegeben habe! Ich war auch schon immer begeistert von Zeitzeugenaussagen, -dokumentationen oder -interviews. Das ist auch in Museen oftmals das spannendste Element für mich. Und ich würde mir wünschen, dass das Medium Podcast in diesem Bereich noch viel öfter genutzt werden würde. Wenn wir irgendwann auf dem Lehrplan stehen, ist das Medium endgültig etabliert 😉

  7. Vielen Dank für Dein persönliches Feedback. Obwohl alles gut ausgegangen ist, ist es doch auch für uns immer wieder ein Erlebnis, diese aufregende Zeit noch mal ins Gedächtnis zu rufen.

  8. Dankeschön für Deinen Kommentar. Wie gesagt: wenn Podcasts auf dem Lehrplan stehen, ist das Medium nicht mehr wegzudenken. Deine Geschichte mit dem in der damaligen Situation sicher starken Eindruck zeigt auch, dass das oftmals Normalste (Meinungsfreiheit, Reisefreiheit…) manchmal gar nicht so selbstverständlich ist und immer neu bewahrt und verteidigt werden muss. Und ein bisschen tragen wir mit unserem Podcast vielleicht auch dazu bei, dass nicht alles, was für uns heute normal ist, als “vom Himmel” gefallen angesehen wird.

  9. Themaunabhängig:
    Ich habe vom Staatsbügerkunde-Podcast das erste mal irgendwann letztes Jahr bei NSFW gehört. Damals gab es aber noch so viele andere Sachen zu hören, dass SBK erstmal auf Halde kam, aber nie aus dem Sinn 😉

    Vor drei Wochen habe dann die erste Folge runtergeladen. Und was soll ich sagen, alle anderen Folgen habe ich dann quasi am Stück angehört.

    Es ist ganz großartig, was du und deine Eltern hier machen. Als ’85er Jahrgang habe ich in den 5 Jahren DDR natürlich nicht viel mitbekommen, umso schöner ist hier jetzt der Umgang mit dem Thema, den man so in anderen Medien seltenst bekommt (Alles war schlecht vs. Ostalgie).

    Also vielen vielen Dank an euch und ich hoffe, dass euch noch sehr viele Themen einfallen! Ihr könnt auch gern öfter publizieren, im Moment habe ich gerade Entzugserscheinungen 😉

  10. fands auch voll spannend und auch erzählt zu bekommen wie die rädchen in der ddr sich so gedreht haben. dachte phasenweise auch an verfilmen war echt super erzählt von deinen eltern.
    super podcastreihe. weiter so.

  11. Vielen lieben Dank für das Lob – die Themen gehen uns so schnell nicht aus. Ich würde auch gerne öfter publizieren, aber momentan finde ich den Rhythmus für mich ganz gut, da wir ja oft auch aufgrund der Entfernung, Urlauben oder anderen Terminen manchmal “auf Vorrat” produzieren und trotzdem alle drei Wochen eine Sendung erscheinen kann. Aber vielleicht wird das Publizieren nach dem Umstieg auf Podlove irgendwann dieses Jahr so einfach, dass ich noch ein paar Sendungen einschieben kann. Momentan freue ich mich auch ab & an mal über ein “freies” Wochenende 🙂

  12. Machen wir – für mich war’s auch eine sehr spannende und intensive Folge. Obwohl ich sie ja schon in Teilen kannte und sogar dabei war!

  13. Ich höre diesen Podcast nun schon länger und halte ihn für einen der besten seiner Art, weil alles sehr authentisch rüber kommt. Vor allem begeistert mich immer wieder das endlich Themen angesprochen werden, die in den klassischen Medien kaum Beachtung finden. Die aktuelle Folge über den Ausreiseantrag ist speziell in diesem Zusammenhang ein absolutes Highlight. Viele Folgen haben mir wirklich sehr gut gefallen, aber diese Folge hat mich emotional besonders berührt. Spannend wie ein Krimi und unterhaltsam zugleich, sollte diese Episode an Schulen zum Pflichtprogramm werden. Ich finde es extrem mutig diesem repressivem Staat auch öffentlich zu zeigen das man in ihm nicht leben kann und will. Davor gebührt euch aller höchster Respekt. Ich freue mich auf den nächsten Teil.

    Da meine Eltern in meiner Kindheit im Sommer nur sehr wenig Zeit hatten, habe ich als kleiner Junge viele Sommer in der DDR verbracht. Eine Schwester meiner Oma lebte in einem kleinen Dorf in der Nähe von Sangerhausen. Ich fand es grossartig, Politik oder solche Dinge spielten noch keine Rolle und ich durfte damals Dinge, die im Westen am Kölner Stadtrand schon nicht mehr möglich waren. Wir spielten in den Feldern oder waren einfach unterwegs. Und hier kommt die Folge mit Katrin Rönicke in’s Spiel denn die strikte Trennung von Jungen bzw. Mädchenkram war in der DDR nicht so auffällig wie bei mir zu Hause.

    Als man dann älter wurde kam leider die Politik in’s Spiel, man merkte deutlich das BRD/DDR ein Thema in den Schulen wurde. Dadurch wurde der Umgang miteinander mit alten Sommerspielkameraden einfach schwieriger und mit mir natürlich auch. Durch Berufswechsel meiner Eltern, andere Interessen meinerseits wurde der Sommer in einem DDR Dorf für mich nicht mehr so interessant. Missen möchte ich diese Jahre nicht und manches ist mir heute noch im Gedächtnis.

    Ich freue mich auf weitere Folgen des Podcasts und bedanke ich mich für die bisherigen.

  14. Dankeschön für das Lob. Das Thema “Ausreise” ist wirklich für uns ein großes und deshalb hatte ich auch gewartet, bis wir etwas erprobt hinterm Mikrofon sind. Das Ergebnis gefällt uns wirklich gut und natürlich auch, dass es bei Euch Hörer_innen so gut ankommt. Und keine Sorge: Auch wenn das unsere letzte Erfahrung in der DDR war, ist das nicht das Ende des Podcasts. Aber das Thema schwebte immer so mit, da wollten wir es dann auch mal direkt “abarbeiten”. Danke auch fürs Teilen Deiner Kindheitserinnerungen. Schön, dass das, was Kathrin und ich erlebt haben, offenbar doch auch bei anderen so gewesen und erlebt wurde. Wichtig ist immer, dass man sich daran erinnert und vielleicht sogar einen Bezug zum heutigen Leben mitnimmt. Das versuchen wir auch mit dem Projekt insgesamt.

  15. Ich höre jetzt seit gut 2 Jahren regelmässig Podcasts, aber wenn ich so zurückdenke hat mich noch NIE eine Sendung bzw. Folge so berührt wie diese. Ich hab den Grossteil auf dem Weg zur Arbeit gehört und musste mehrmals wirklich schlucken.
    Ich bin im Westen aufgewachsen, zur Zeit der Wende war ich noch zu jung um das alles zu begreifen bzw. zu erfassen. Diese Folge hat mir die damalige Realität erstmals so richtig vor Augen geführt…weil sie so ehrlich, echt und authentisch ist. Das hat echt gesessen…

    Es ist nicht selbstverständlich so viel von sich preiszugeben, vielen herzlichen Dank fürs Erzählen! Alles Gute!

  16. Ich bin leider erst später auf den Staatsbürgerkunde Podcast gestoßen und bin gerade dabei alles fleißig nachzuhören (daher auch der verspätete Kommentar).

    Diese Ausgabe nimmt einem schon besonders mit. Wirklich spannend erzählt und sehr emotional. Einfach nur toll.

    Wenn man hört wie deine Eltern und besonders dein Vater fast schon kämpferisch auf sein Recht zur Ausreise beharrt haben und sich nicht einschüchtern lassen haben stimmt einem das fast schon nachdenklich wie wichtig doch so Dinge sind wie Selbstbestimmung und Privatsphäre.

    Großartige Ausgabe macht weiter so!!!

    • Vielen Dank – das Schöne am Podcast ist ja, dass man jederzeit einsteigen kann! Mir hat der Mut meiner Eltern auch imponiert und tut es heute noch!

  17. Bin gerade dabei Deine Folgen anzuhören. Obwohl ich alle Eure Folgen toll finde, ist das vielleicht die spannendste und anrührendste von allen. Gebe einigen anderen Kommentatoren recht, der Podcast sollte wirklich im Geschichtsunterricht verwendet werden. Ihr seid ein Super Podcast Team. In diesem Zug noch eine Frage, ich meine das war noch nicht Thema: Ich war erst nach der Wende das erste Mal im “Osten”, habe mich aber auf Kuba oft mit Leuten unterhalten und das viele Parallelen vom System gesehen. – Auch die positiven Seiten, die Ihr erwähnt habt: gute Ausbildung in allen Berufsgruppen und die Konzentration auf andere Dinge die nichts mit Konsum zu tun haben (natürlich auch aus Ermangelung der zu konsumierenden Güter). Einige Kubaner haben auch erzählt dass sie früher in Ostdeutschland oder Russland waren. Aus diesem Grund würde mich interessieren welche Erfahrung Ihr mit Begegnungen mit Menschen aus den ehemaligen “Brüderländern” gemacht habt. Vielleicht könnte das ja mal ein Thema werden.

    • Hallo Claudia,
      wow, danke für dieses tolle Lob. Die Ausreise-Folgen sind für mich auch immer noch mit die wichtigsten in diesem Projekt und wir freuen uns, dass das vielen auch so geht. Dankeschön!
      Deinen Vorschlag greife ich gerne auf – spannend wäre natürlich auch die andere Seite, d.h. mal mit jemandem zu sprechen, der eben aus Russland oder Kuba oder einem anderen sozialistischen Land kam und die DDR erlebt hat. Ich werde mal die Augen und Ohren offenhalten. Vielleicht hat ja noch jemand, der hier mitliest, Tipps?
      Viele Grüße
      Martin

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