SBK083 Liedgut

Vom Fröhlichsein, Singen und von Geschichtenliedern
Erschienen am 24.02.2019

Liedgut Die Lieder, die wir als Kinder gesungen haben, bleiben im Gedächtnis. Manchmal kommen Sie uns Jahre später wieder in den Sinn. Wir verbinden mit ihnen Situationen, Menschen und Orte, die uns als Kinder geprägt haben – sie sind ein Stück Kindheit. Die Kinderlieder der DDR lohnen aber – wie im Fall dieser Episode von Staatsbürgerkunde – einen zweiten Blick. Denn bereits im frühen Alter sollten die Ideale des Arbeiter- und Bauernstaates in den Kindern verankert werden. Sören Marotz aus dem DDR Museum Berlin zeigt zu Beginn der Folge auf, was sich alles zwischen den Zeilen eines solchen Liedes verbergen kann. Wie die Formung der jungen DDR-Bürger:innen vonstatten gehen sollte und ob die Lieder eine prägende Wirkung auf diese hatten – dieser Frage ging meine Gästin Annika im ersten langen Interview dieser Folge nach. In ihrer Bachelorarbeit geht sie auf Spurensuche in den Liederbüchern der DDR und berichtet von Ihren Recherchen. Im Anschluss hört Ihr ein Gespräch mit Monika Ehrhardt. Auch sie hat zusammen mit ihrem Mann Reinhard Lakomy Musik für Kinder in der DDR komponiert und getextet. Ihre Geschichtenlieder hatten aber nichts mit staatlicher Beeinflussung zu tun, sondern stehen in den Augen vieler für einige der kreativsten und schönsten Werke der Kindermusik überhaupt – der "Traumzauberbaum" ist inzwischen ein Klassiker für mehr als eine Generation geworden und lässt auch heute noch neue Traumblätter sprießen. Ich lade Euch ein zu einer musikalischen Reise und freue mich auf Eure Kommentare zu dieser Folge.




Mit dabei
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16 Gedanken zu „SBK083 Liedgut

  1. Ich finde es schade das man den Sozialismus nicht neutraler Bewertet. Die Kirche die es heute noch gibt, misshandelt Kinder probagiert auch überall und wir müssen uns von den U.S.A Sagen lassen das wir mehr fürs Militär ausgeben sollen. Ein grossen Bruder haben wir also immer noch. Zu DDR Zeiten waren manche Organisationen gar nicht so schlecht für junge Leute.. Da man integriert war. ICH HÖRE DEN Podcast trotzdem gern besonders gut war der kleine Grenzgang… Sehr neutral

    • Zwei Punkte hierzu fallen mir ein: Aktuelles Unrecht relativiert aus meiner Sicht das damalige nicht. Zudem steht es Dir und jeder und jedem frei auf die Missstände in der Kirche hinzuweisen oder an der Politik der USA Kritik zu üben, ohne Angst um die berufliche Laufbahn, die Ausbildung der Kinder oder die eigene Freiheit haben zu müssen.
      Zum zweiten würde ich Form und Inhalt trennen: Gemeinschaftliche Erlebnisse und Vereine für Kinder und Jugendliche jeglicher Herkunft halte ich ebenfalls für sinnvoll – nicht hingegen die uniformen Organisationsstrukturen der DDR, die spielerisch anfingen, bei zu viel freiem Willen oder Andersartigkeit aber auch ausgrenzend agierten.

  2. Ich selbst habe das Lied Unsre Heimat gesungen mit Pionierbluse und Halstuch. Der Text wurde aber nicht so auseinandergepflückt. Es war schön und wurde gesungen. Als Kind denkt man nicht darüber nach. Es war trotzdem schön.

    • Der Einstieg in die Folge war bewusst so gewählt, um die Hörer:innen etwas zu sensibilisieren für die kommenden Gespräche und zum Mitdenken anregen. Natürlich hat man das als Kind nicht so in der Tief analysiert, aber gerade z.B. bei dem von mir erinnerten NVA-Lied (“Wenn ich groß bin, gehe ich zur Volksarmee”) wird mir rückblickend doch etwas unwohl. Wir haben aber hoffentlich auch deutlich gemacht, dass gerade bei den Naturliedern auch wirklich schöne und unverfängliche dabei waren.

  3. Ich bin Jahrgang 1995 und komme aus Bayern. Als ich in der Grundschule war, haben wir das Lied der Traumzauberbaum gesungen. Ich wusste gar nicht, dass dieses Lied aus der DDR stammt.

      • Leider habe ich keine Ahnung. Ich kann nicht genau sagen, wann das war, aber es müsste 2003 oder 2004 gewesen sein. Wir hatten eine junge Lehrerin, die erst kurz vorher ihr Referendariat abgeschlossen hat.
        Sie stammt genau wie ich aus der ehmaligen Grenzregion und der nächste Landkreis ist schon in Thüringen.

  4. Eine wirklich schöne, unterhaltsame und informative Folge. Vielen Dank, auch an die Gäste!
    Ich glaube, nichts weckt so sehr Erinnerungen wie Musik.

  5. Lieber Martin, vielen Dank für Deinen tollen Podcast mit Geschichte und Geschichten ohne ideologische Scheuklappen. Meine Kinder sind auch mit dem Traumzauberbaum aufgewachsen und mir hat daran besonders gut gefallen dass die Produktionen für Kinder genauso professionell wie für die Erwachsenen hergestellt wurden, was genauso für die DEFA-Kinderfilme gilt, über die es unbedingt auch eine Folge von Staatsbürgerkunde geben sollte! Was mir gefehlt hat, war ein Hinweis auf die Kinderlieder von Gerhard Schöne die mindestens genauso bedeutend sind wie die von Reinhard Lakomy und der übrigens ein Liedermacher ist. Ich kann den Dünkel von Monika Erhard absolut nicht nachvollziehen, wenn sie meint dass große Kunst nur von Musikhochschulabsolventen kommen kann. Ich denke dass diese elitäre Betrachtungsweise, die in Deutschland leider sehr verbreitet ist, überhaupt nicht mehr in unsere Zeit passt. Was wäre die Musik des 20. Jahrhundert ohne Genies wie Bob Dylan oder Paul McCarntney um nur zwei große Liedermacher zu nennen von denen es noch viele gibt. Ichfreue mich schon auf die nächste Folge, hoffentlich recht bald.

    • Danke, sowas ähnliches wollte ich auch schreiben. Fand die Aussagen zu Liedermachern und das gänzliche Fehlen von Gerhard Schöne auch etwas irritierend. Gerade als in der Einleitung zu Kinderliedern von zwei ganz wichtigen Namen die Rede war habe ich felsenfest mit Schöne gerechnet 😀

      Sonst aber wieder eine sehr schöne Folge!

      • Vielen Dank für Eure Kommentare – Gerhard Schöne habe ich nicht bewusst “unterschlagen”, auch ich schätze seine Musk sehr. Und ich werde versuchen, ihn in einer kommenden Folge zu würdigen und vielleicht klappt es ja auch mit einem Interview.

  6. Sehr schöne Folge; vielen Dank! Ich muss zugeben, dass ich aus ideologischen Gründen bei DDR-Liedgut als Kind meist auf „Durchzug“ gestellt habe. Mir war gar nicht klar, dass vieles erst im Nachgang politisiert wurde, z.B. durch die von Euch genannten Bilder im Lehrbuch. Mit Lakomy, Schöne & Co. bin ich dadurch gar nicht erst warm geworden, was ich heute als verpasste Chance ansehe. Vielleicht muss ich mir ein paar Lieder wieder neu „erhören“.

    Danke für die Erkenntnis!

  7. Beim Hören wurde ich immer wütender und manche pauschalisierte Aussagen tun schon fast weh und sind der Grund, weshalb man manchmal rechtfertigen muss, dass unser Liedgut nicht ideologisch geprägt ist.
    In 20 Jahre Erfahrung als Erzieherin im Westen habe ich nicht eine Kita kennengelernt, wo nicht gesungen wurde/wird (Für BRD-Zeiten kann ich nicht sprechen, aber da ich auch ältere Kolleginnen kennenlernte, bezweifle ich so eine pauschalisierte Behauptung. Natürlich muss man bedenkem, dass es generell wenig Kitas gab.)
    Die Lieder “Wer will fleißige Handwerker sehen” und “Grün ja grün sind alle meine Kleider” werden in allen Kitas, in den ich gearbeitet habe, gesungen und sind schon über Generationen bekannt (also nicht von mir eingebracht). Letzeres ist auch schon fast 200 Jahre alt und hat mit der DDR-Poliktik nichts zu tun. Sie stehen auch in jeder Kinder-Volksliedsammlung. (btw. die Bemerkung zur männl. Bezeichnung war von einer Historikerin unpassend, da die Politische Korrektheit in Deutschland erst in den 90ern laut wurde. Aus musikalischen Gründen singen wir sie immer noch in bekannter Version.)
    Auch das Weihnachtslied “Sind die Lichter angezündet” ist inzwischen in die Kitas eingezogen, allerdings erst nach der Wende. Gerade, weil der christliche Fokus so rausgenommen war und es auch ein wunderschönes Lied ist, wird es gern in kommunalen Kitas gesungen, die Kinder aus verschiedenen Religionen besuchen.
    Ich habe also ganz andere Erfahrungen gemacht, als ihr es hier so pauschal zusammenfasst. Und es sind nur einige wenige Punkte, die ich aufzähle, möchte den Rahmen hier nicht sprengen.
    Gerhard Schöne, wie hier ein anderer Hörer schon erwähnte, fehlte mir ebenfalls, denn auch einige seine Lieder sind in den Kitas aufgetaucht. Allerdings wussten die Kolleginnen nicht, dass er aus dem Osten ist. Im übrigen trat er schon hier in Mainz auf.
    Nichtsdestotrotz stimmt die Aussage, dass DDR-Liedgut einen gewissen Einfluss haben sollte, nur die genannten Beispiele sind teilweise schwach gewählt. Und es ist kein Phänomen der DDR. Es wäre auch schön gewesen, wenn auch die anderen, die heimlichen, die Nicht-Schullieder aufgezählt wurden, schade.

    • Liebe AniKa,
      vielen Dank für Deinen Kommentar. Wir haben uns bewusst an der Arbeit von Annika orientiert, die sich ja wie eingangs erwähnt bewusst mit den Liedern aus den Schulbüchern beschäftigt hat – die von Dir angesprochenen Kinderlieder, die man im Kindergarten sang, waren ausgeklammert und ich gebe Dir recht, dass nicht jedes Kinderlied politisch geprägt war. Hier wollten wie aber bewusst diesen Aspekt betrachten und quasi als Gegengewicht die freien Kinderlieder von Lakomy und Ehrhardt. Ich könnte mir aber vorstellen, dass auch althergebrachte Lieder wie “Wer will fleißige Handwerker sehen” natürlich auch gut in den Arbeiter-und-Bauernstaat passten.
      Gerhard Schönes Lieder habe ich als Kind und sehr gemocht – “Kinderland” ist eine so tolle Platte. In diese Folge hat er es nicht geschafft, aber ich nehme Deine Nachricht als Anlass, ihn auf die “Warteliste” zu setzen.
      Beste Grüße sendet
      Martin

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