SBK066 Stasi-Gefängnis

Von Endstationen, mutigen Entscheidungen und vom Optimismus
Erschienen am 12.12.2015

SBK066 Stasi-Gefängnis Mit einer besonderen Folge beschließen wir das Jahr. Lothar Schulz hat eine Seite der DDR kennen gelernt, die zu den dunkelsten dieses Landes gehörte. Er war Gefangener der Staatssicherheit. In unserem Gespräch berichtet er von seinem Werdegang als Ingenieur und wie er an die Grenzen des Staates stieß. Lothar erzählt, wie es zu seiner Verhaftung gekommen ist, wie er die Untersuchungshaft erlebt hat und wie es nach seinem Prozess mit ihm weiterging. Ein sehr eindringliches und nachdenkliches Gespräch erwartet Euch und wir sind wie immer interessiert an Eure Kommentaren.



avatar Sven Sedivy
avatar Monja Schreppel
avatar Martin Fischer
avatar Lothar Schulz
avatar Ulrike Kretzmer


Ein großes Dankeschön in dieser Folge geht an Ulrike Kretzmer von Exponiert – Dem Museums-Podcast aus Berlin für die Vermittlung des Kontakts!

16 Gedanken zu „SBK066 Stasi-Gefängnis

  1. Danke für die Dokumentation dieser Geschichte, eine tolle Podcast-Folge. Für uns DDR-Spätgeborenen eine Erinnerung daran, wie glücklich wir uns schätzen dürfen, nie in die Situation gekommen zu sein, solche Entscheidungen wie Lothar Schulz treffen zu müssen

    Ich freue mich schon auf die Fortsetzung des Gesprächs!

    • Dankeschön fürs Lob! Die Geschichte wachzuhalten und sicherzustellen, dass so etwas nie wieder passiert, halte ich ebenfalls für eine wichtige Aufgabe.

  2. Wow, eine intensive und informative Geschichte! Es wirkt als wäre Herr Schulz sehr abgeklärt, mit kaltem Blut, wie er es sagt, aber die Folter die er beschreibt sind so ausgeklügelt unmenschlich, dass es einem graut. Weit weg von mittelalterlicher Folter, weit grausamer.
    Vielen Dank für das Teilen dieser Erfahrungen!

  3. Ich fand die Folge wirklich spannend. Die Beschreibung der diversen Foltermethoden fand ich sehr heftig. Da scheint die Stasi ja durchaus die Hausaufgaben gemacht zu haben. Als “Westkind” war mir das Tun der Stasi in dem Detail auch größtenteils unbekannt.
    An einigen Stellen hätte ich mir allerdings mehr Details gewünscht, wobei mir natürlich klar ist, dass man die nach 40 Jahren auch teils einfach nicht mehr erinnern kann.

    Speziell fehlten mir:
    – Etwas mehr Details, wie die Befragungen abliefen. Wurden z.B. immer wieder die gleichen Fragen gestellt oder ständig irgendwie variiert? Wie kann man überhaupt jemanden Stunden (sogar Tage) lang ausfragen, wenn der doch gar keinen so ausgeklügelten Plan zu erzählen hat, wie ihn die Befrager hören wollen? Da fehlt mir irgendwie die Vorstellungskraft.
    – Gab es nach dem einen guten Essen in der U-Haft nur noch “Fraß” oder was das durchgängig auf anständigem Niveau? Die Marken in den Kartoffeln würde ich im Sinne der psychischen Folter so interpretieren, dass man sagen wollte: “Hey, wir haben was in dein Essen getan, was du findest. Aber wer weiß, was wir noch damit gemacht haben?” Oder ist das zu abwegig?
    – War dir nach der Entlassung direkt klar, dass die Stasi dich so stark observiert? Wenn ja: Eher im Sinne eines begründeten Verdachts oder haben die Fehler gemacht? Telefon abhören gehörte ja vermutlich eher zum Standard aber Wanzen in der Wohnung halte ich schon für “Premium”. Einerseits kann ich mir kaum vorstellen, dass man noch glaubwürdige Gespräche im Wissen führen kann, dass das alles abgehört wird. Anderereits habe ich auch Probleme mit dem Gedanken, dass die nichts gefunden haben, was sie einem anhängen konnten, wenn man da wirklich frei (im Unwissen) vor gesprochen hat.
    – Gibt es eine Erklärung, warum sie dich nicht einfach “für immer” weggesperrt haben? Wie im Gespräch ja raus kam, hieltest du die Rechsstaatlichkeit sowieso nur für Fassade. Hätte denn wirklich jemand gemeckert, wenn man dich mit irgendeiner Begründung für unbestimmte Zeit eingesperrt hätte? Dann hätten sie sich die ganze Observation und Angst vor der nächsten Aktion sparen können. Oder war der Gedanke dann doch, dass man nach der Freilassung noch an Hintermänner kommt, weil du sowieso (aus Stasi-Sicht) gelogen hast?

    Außerdem fände ich es noch extrem interessant, wenn man mal jemanden von der “anderen” Seite ans Mikro kriegen würde.Gerade in diesem Interview kam ja schon raus, dass viele vermutlich auch nicht richtig selbst dran geglaubt haben und für sich das Beste draus machen wollten, um keine Probleme zu kriegen. Aber das wird wohl Wunschdenken bleiben. Soweit ich es überblicken kann, scheint seit dem Mauerfall retrospektiv überhaupt niemand für die Stasi gearbeitet zu haben, wenn man sich so umhört. Schade, dass sich da niemand traut nach all den Jahren. Könnte von mir aus ja sogar anonym sein.

    • Danke, Michael, für Deine Fragen. Vielleicht kann ich die noch an Lothar weiterreichen und wir veröffentlichen in 2016 ein kleines Update. Und einen Stasi-Mitarbeiter vors Mikrofon zu bekommen, wäre natürlich sehr interessant. Abgesehen davon, dass – wie Du sagst – die Bereitschaft eher gering sein würde, müsste ich mich als “Fragensteller” noch mal ganz anders wappnen. Ich stelle mir das nicht so leicht vor.

      • Gegen einen Stasi-Typen, wenn Du so einen je vor das Mikro bekommen würdest, ein Frage-Antwort-Intervew zu führen wäre schon fast Pulitzer-Preis-Versächtig; zumindest in Deinem Podcast-Kontext.

  4. Guten Tag

    Ich habe die Folge in zweit Teilen gehört und muss abschliessend sagen, dass ich recht enttäuscht bin, was den Inhalt und dessen Quintessenz angeht.

    1. fand ich es äusserst unsympathisch und wenig glaubwürdig, dass sich der Erzähler immer wieder als intelligent und professionell hinstellt, aber sich nicht an das «Wichtigste» erinnern kann: Was stand auf dem Transparent?
    2. war die Aktion nicht so weltbewegend, und sicher nicht so für den Staat gefährlich, wie es versucht wurde rüberzubringen
    3. wieso wurde die Aktion auf seine Frau abgewälzt, wo doch er das «Problem» hatte: Das Problem auf das Parteibuch zu verzichten …
    4. spürte man regelrecht seine Freude dabei, die Geschichten wie ein gefangen genommener James Bond zu erzählen. Wie überlegen er sich gefühlt hat, aber dennoch das Nachsehen hatte.
    5. Die Geschichte sehr egoistisch rüberkommt. Nicht für die Sache (Regimekritiker) an sich einzustehen.
    6. recht naiv zu glauben, dass man mit einem Transparent in der Öffentlichkeit eine Ausreise erzwingen zu können. Gerade weil er doch wusste, dass er ein Ausnahme-AKW-Ingenineur war (oft genug hat er es erwähnt) …
    7. gibt es da draussen sicher echte Stasi-Opfer, die mehr tiefgründige Geschichten zu erzählen haben …

    Gruss
    Markus

    • Deine Aussage zu „echten“ Stasi-Opfern ist von Hochmut und Arroganz nicht zu übertreffen. Jeder politische Gefangene in der DDR, sogar jeder, der von denen ausspioniert wurde, ist ein Opfer der ehemaligen Staatssicherheit.

    • Lieber Markus,
      ich glaube, keiner von uns beiden kann nachvollziehen, wie es sich angefühlt haben muss, die Ohnmacht in der DDR zu spüren, die Plakataktion zu planen und die Gefangenschaft zu überstehen. Mag sein, Du hättest anders reagiert, Dich anders erinnert und andere Sachen in den Vordergrund gestellt. Aber ich halte es doch für vermessen, einen “richtigen” Umgang mit eben der Ohnmacht und dem Aufbegehren zu definieren und Lothar Schulz und seinem Weg die Aufrichtigkeit abzusprechen. Jeder geht anders mit diesen Erfahrungen um und jeder berichtet anders darüber – das macht sie aber nicht weniger wahr und das Geschehene nicht weniger unrecht. Hier stimme ich dann Max zu: jedes Stasi-Opfer ist und war eines zu viel!

  5. 1. Warnung: Nicht zum einschlafen anhören. Es ist mitlerweile 2:30 Uhr und diese Episode der Podcastreihe ist so spannend das an schlafen nicht zu denken ist.
    2. Wenn man den Gast so reden hört bekommt man Lust sich selbst mit ihm zu unterhalten. Zumal ich in Neuruppin geboren wurde und somit schon eine andere Verbundenheit besteht. (Wenn auch nur die gleiche Heimat)
    3. Besonders hat mich die Besonnenheit der Erzählweise positiv beeindruckt nach so einer Tortur. Das er zugibt (was nichts schlechtes ist) ein zufriedenes Leben bis zum Konflikt in der DDR gehabt zu haben und auch gerne für Sie Leistung erbracht hat. Ich bin kurz vor der Wende geboren und kenne ähnliche Ausführungen von meinen Eltern und bekannte.
    4. Danke das der Gast die Kraft und Offenheit gezeigt hat über diese schwere Zeit seines Lebens zu sprechen.
    5. Freue mich wirklich sehr über die Ankündigung das weitere Formate folgen.
    6. Würde mich über eine Folge über die KKWs der DDR mit diesen kompetenten Gast sehr freuen. Aber sich über den Empfang und die Umstellung in der DDR. Auch technisch gibt es sicherlich einige interessante Einblicke in die DDR.
    7. Kurzum. Macht Lust auf mehr!

    • Vielen Dank, André, für Deine Höreindrücke. Es war wirklich auch für mich ein besonderes Erlebnis, mit Lothar zu sprechen und seine positive Einstellung zu erleben. Mal schauen, was 2016 daraus noch entstehen kann.

  6. Lieber Martin,

    danke für diese Folge, ich habe wieder viel gelernt. Und Extradank an die ganze Podcastfamilie Fischer für das schöne Podcastjahr mit SBK.

    Was mir schon einige Zeit unter den Nägeln brennt: habt ihr schon Besuch von Marc und seiner Kamera bekommen oder bekommt ihn noch!? Ich fände es sehr schade, wenn ihr nicht mit von der Partie wäret.

    Guten Rutsch und schöne Grüße,
    Christian

  7. Spannende Folge. Danke dafür. Wieso ist es so schwer ein Stasi Mitarbeiter zu finden der über seine Arbeit spricht?. Was mir leider sauer aufgestoßen ist, ist der permanente Eigenlob von Herrn schulz. Ich bin halt mit dem Satz Egeinlob stinkt aufgewachsen, und finde So etwas immer sehr unsympathisch.

  8. Ich kann mich Markus leider nur anschließen.
    Die permanente Selbstüberhöhung und -beweihräucherung, die gewollt eingestreuten englischen Begriffe, die extrem subjektive Schilderung des von sich selbst überzeugten Gastes etc. haben das an sich interessante und spannende Thema ziemlich versalzen.

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