SBK053 Marken

Von Verheißungen, Absatzmärkten und Spitzenreitern
Erschienen am 28.02.2015

SBK053 Marken Keine Angst: Wir versinken nicht in blinder Ostalgie im Angesicht all der DDR-Marken, die heute zwangsläufig auftauchen. In dieser Episode sprechen wir über die Idee der Produktmarke und wie diese Idee in der DDR gelebt und wahrgenommen wurde. Welchen Stellenwert hatten Marken und wie beeinflussten sie das Kaufverhalten? Und wie immer bringt der Westen in der DDR alles durcheinander. Viel Spaß und Erkenntnisgewinn wünschen wir Euch mit dieser Folge.



avatar Sven Sedivy
avatar Monja Schreppel
avatar Martin Fischer
avatar Christine Fischer
avatar Lutz Fischer

Intro und Begrüßung

00:00:00

Markenbewusstsein

00:00:33

SBK026 Lebensmittel — Marke — Kombinat — VEB — ORWO — Agfa — Kriepa — Rolf Herricht — Eberhard Cohrs — Tausend Tele-Tipps — f6 — Cabinet — Piasten — Meißner Porzellan — Kahla-Porzellan — Delikatladen — Exquisit-Laden — Erzgebirgische Volkskunst — Spreewald-Gurken — Greiz — Trabant

Bewährte Qualität 00:23:24

Spee — Florena — Knusperflocken — Nudossi — Filinchen — Rotkäppchen-Sekt — Nordhäuser Doppelkorn — Goldkrone — Jenaer Glas — Bürgel — Schallplatten-Labels — Barkas — Fit — Pouva — Certo — Podcaster-Porträt — AKA electric — Rondo — Zahnpasta

Zu guter Letzt

00:47:18


24 Gedanken zu „SBK053 Marken

  1. Hallo Leute,

    wie immer eine tolle und interessante Sendung. Das Thema Marken hat mich auch damals schon ein bißchen beschäftigt (und nach der Wende bin ich ja auch im Bereich Marketing/Vertrieb tätig). Es gab durchaus einige Marken, die auch zu meiner bewußten Zeit noch beworben wurden. Allerdings gab es keine TV Werbung für ein Produkt XY. Ich kann mich aber an “Produktvorstellungen” erinnern, wenn es mal etwas neues gab. Z.B. SIMSON hat ein neues Moped rausgebracht, DIAMANT ein neues Fahrrad, der neue KC kam oder die “ACTION” Linie an Deos/Duschbad usw. Das war allerdings keine Werbung, wie wir es heute kennen.

    Übrigens neben den ORWO Farbfilmen gab es in Zeiten von Knappheit auch irgendwelche russischen Farbfilme. So, wie es auch von anderen Produkten manchmal russische Pendants gab. Das bekannteste wird wohl der RADUGA Fernseher gewesen sein. Im Volksmund “Zimmerbrand aus Freundesland”, weil er eine extreme Hitze entwickelt hat (inklusive stundenlangem Nachglühen). Das führte dazu, daß die Presspappe Schrankwände aus Hellerau gern mal in Flammen aufgingen.

    Zu den Kassettenrecordern: Zu meiner Zeit hatten die DDR Kassettenrecorder schon eine gute Qualität erreicht. Ich habe selber mal in den Ferien bei Elektronik Gera den GERACORD zussammengebaut. Diese Geräte wurden wegen ihres robusten und präzisen Laufwerks auch als Datasette für die KC85 Computer einesetzt. Das könnte Dein Papa auch noch kennen. Auch die SKR (Stereo-Kassetten-Rekorder) waren ziemlich gut. Insbesondere die Variante mit den runden Lautsprechern. Diese hatte zwei Antennen und einen wahnsinnig guten Empfang. Ich konnte damit bei mir zuhause sogar hr3 empfangen und habe z.B. donnerstags immer die “Maxi-Stunde” gehört und auf Kassette aufgenommen.

    Aber ihr habt ja schon gesagt, daß es gute und schlechte Sachen gab. Schlecht war z.B. der DDR Versuch einen Walkman zu bauen. Der brauchte 4 R6 Batterien (doppelt so viel wie BRD Pendants), die sehr schnell verbraucht waren. Er war auch total schwer und der Klang war…naja. Daß er Kassetten “gefressen” hat, fiel wegen der anderen Nachteile kaum noch auf.

    Action: http://goo.gl/U5YXqO
    SKR 700: http://goo.gl/M2C2Vc
    GERACORD: http://goo.gl/4OP8mh
    DDR Walkman: http://goo.gl/45clYa

    • Danke für Deinen langen Kommentar mit den persönlichen Erinnerungen – den SKR hatten wir natürlich auch, war mir Weihnachten sogar einen Eintrag im Tagebuch wert, so toll war der!

  2. (Columbo Methode): ….was mir noch eingefallen ist:
    Ich habe die Sendung noch nicht ganz zu Ende gehört, deswegen weiß ich nicht, ob das noch kommt. Es gab auch Marken, die es in beiden TEilen Deutschlands parallel gab. Das lag wohl daran, daß in der Nachkriegszeit die Inhaber in den Westen geflohen sind und ihre Fertigung neu augebaut haben. Die alte Fabrik in der Ostzone produzierte weiter. Soweit ich das in Erinnerung habe, war das z.B. bei ODOL Mundwasser so.

    DDR Odol: http://goo.gl/zFdRhe
    BRD Odol: http://goo.gl/E4eCDc

  3. die Schlussfolgerung

    verschiedene Marken die eigentlich nur Phantasie-Namen für Produkte des selben Staatseigenen Betriebes sind, sind eigentlich sinnlos und haben nichts mit Wettbewerb zu tun

    fand ich besonders lustig.

    …jetzt nicht weil sie falsch wäre, sondern weil sie auf unsere aktuelle Situation auch prima zutrifft.

    Waschmitel zum Beispiel:
    Ariel, Lenor, Dash, Vizir – Proctor&Gamble

    Fewa, Spee, Weißer Riese, Terra, Persil, Bref, Biff, Sidol, Perwoll, Der General, Sidolin, Sil, Somat, … – Henkel

    Coral, Skip, Viss – Unilever

    Selbes gilt für fast alle anderen Produkte des täglichen Bedarfs.
    Badezimmer? Axe, Dove, Rexona, DuschDas, Signal, Impulse, Tony&Guy – alles Unilever
    Margarine? Rama, Becel, Bertolli, Lätta, Mazola, Sanella – auch alles Unilever

    • Aber vermutlich geht man heute bei der Namensfindung aufwändiger ans Werk – Fokusgruppen, Marktforschung etc. Aber prinzipiell sind es natürlich alles Phantasie-Namen. Sonst müssten bei der “Vielfalt” ja die Spülmittel durchnummeriert werden und das stiftet ja auch Verwirrung 😉

  4. Hallo!

    Heutzutage kauft man mit einem Markennamen doch vor allem ein Image. Besonders deutlich ist das bei Produkten, auf die der Markenname übergroß vorn aufgedruckt ist (Londsdale Sweatshirts, Chanel Handtaschen, Kenwood Elektrogeräte).

    Früher wurden auch alle Produkte mit demselben Markennamen in demselben Konzern und Land hergestellt. Heutzutage verkauft z.B. eine schwedische Firma Lizenzen für den Namen AEG an viele verschiedene Firmen, sodass z.B. AEG Nähmaschinen billige China-Geräte sind, während andere Produkte von guter Qualität sein können (mir fällt nur gerade leider kein Beispiel ein):
    http://de.wikipedia.org/wiki/AEG

    Übrigens war die Qualität früher im Westen auch besser als heute. Meine Schwägerin hat ihre Braun-Küchenmaschine aus den 80er Jahren bis vor Kurzem noch benutzt. Ich benutze auch noch meinen Föhn von 1990. Wer schlau ist, lässt sich nicht von Markennamen und Werbung blenden (man kann Werbung ignorieren, das geht wirklich!), sondern schaut auf Testberichte und die Erfahrung von Freunden oder aus der Familie.

    Es gibt auch heute noch Textilien, die in Deutschland produziert werden, z.B. bei Trigema und bei vielen kleinen Anbietern auf Platformen wie Dawanda:
    http://trigema.de
    http://de.dawanda.com

    Ein gutes Essay über Billigtextilien vor allem von Primark hat Hoxton Handmade mal gemacht, Folge 51 “Slow Fashion”:
    https://itunes.apple.com/us/podcast/electric-sheep/id321277433?mt=2

    Warum Diskounter so billige T-Shirts verkaufen können, kann man z.B. hier lesen:
    http://www.zeit.de/2010/51/Billige-T-Shirts

    Wenn meine Oma zu Mauerzeiten nach Ostberlin gefahren ist, hat ihre Freundin vorher immer einen Brief geschrieben, der so anfing:
    “Liebe Lucie,
    wenn Du uns besuchen kommst, dann denk doch mal an:
    Jacobs Krönung Kaffee
    Signal Zahnpasta
    …”
    Das waren richtig lange Einkaufslisten mit Markennamen. Und meine Oma hat immer alles von der Liste gekauft und mitgebracht. Ich war damals immer sehr neidisch, weil wir selbst sehr wenig Geld hatten und immer nur bei Aldi eingekauft haben. Ich wäre damals lieber ein DDR-Kind gewesen. 😉

    Die 25 DM Zwangsumtausch hat meine Oma oft in Form von Schreibwaren (Briefpapier, Schulhefte etc.) angelegt, die ich immer sehr gern benutzt habe, weil das Papier saugfähiger war als das der Westprodukte. Als Linkshänderin ist mir in Westheften die Tinte immer verschmiert, in den Ostheften nicht. Das Briefpapier benutze ich heute noch (aber bald sind die letzten Vorräte aufgebraucht). Andere haben gern Fotozubehör gekauft (Diabetrachter, Fotopapier etc.). DDR-Markennamen kenne ich aus jener Zeit nicht, aber heute sind mir natürlich Fit (das Westpendant wäre Pril), Spee oder Florena bekannt.

    Vielen Dank für die interessante Folge!

    Liebe Grüße,
    Henriette

    • Wow, vielen Dank für Deine tollen Ergänzungen! Und bei der Geschichte mit dem Briefpapier habe ich mich auch wieder an meine Schulhefte erinnert bzw. daran, um wie viel glatter ich dann die “Westhefte” fand, als ich hier zur Schule gegangen bin.

  5. hallo. Nur eine kleine Anmerkung zu Orwo. Mein damaliger Freund, ein leidenschaftlicher Fotograf, schwor auf Orwo-Schwarz-Weiß-Filme. Das war Mitte der 80er. Man konnte sie auch hier im Westen kaufen. Kurz nach der Wende hat er die Filme regelrecht gehamstert aus Angst, die Marke könnte verschwinden.
    PS: Riegelein Schokolade war unsere Hausmarke, da ich in einem Nachbarort der kleinen bayrischen Stadt Cadolzburg aufgewachsen bin, in der diese bis heute produziert wird. Für mich noch immer ein Stück Heimat mit der keine Milka mithalten kann.

    • OK, dann geben wir Riegelein auf jeden Fall den Lokalbonus – ich selbst kann mich leider gar nicht daran erinnern. Danke für Deinen Kommentar aber auf jeden Fall! Sind denn noch Orwo-Filme übrig?

  6. Wo ich den Kommentar mit der SChokolade lese, vielleicht solltet ihr mal eine Sendung über DDR Urban Legends machen. Mir fallen spontan ein paar ein, vielleicht haben andere auch noch welche:
    1. In DDR Schokolade soll angeblich eine große Menge Schweineblut verwendet worden sein, weil andere Zutaten fehlten.
    2. Knusperflocken wurden angeblich hergestellt aus den Bruchstücken von Knäckebrot, die vom Boden aufgekehrt wurden.
    3. Jeder der bei der NVA war erzählte mir von jemandem, der jemanden kennt….der sich mit einer Handgranate den Arm abgesprengt hat. So viele Versehrte wie Legenden kann es gar nicht gegeben haben.
    usw.
    4. Ostdeutsche Indianerstämme – siehe http://goo.gl/SpBhY2
    5. In der “Kernseife” soll angeblich Knochenmehl gewesen sein
    und hier stehen auch noch ein paar: http://goo.gl/RCpu1x

    Wäre vielleicht auch wieder was für ein Hoaxzilla Feature 😉

  7. Schlimm!
    Jede Folge mehr, die deine Mutter dabei ist, Martin, verkommt ein Stückchen mehr zur “Früher war alles besser und HEUTZUTAGE ist alles furchtbar”-Ostalgie.
    Früher waren die Marken noch was wert, früher war die Qualität noch gut, früher hat man die Dinge mehr wertgeschätzt…
    Dieses ständig mitschwingende Nörgeln vermiest einem echt den Spaß an der Folge.

    • Den Eindruck hatte ich nicht – uns ging es vielmehr darum, die Konsumwelt von heute im Vergleich zu der damals zu betrachten. Das früher alles besser war, würde von uns keiner so unterschreiben, aber dass auch heute unter den Stichworten “geplante Obsoleszenz” und der von uns erwähnte “markenlose” Supermarkt diskutiert und als Gegenentwurf zum Wegwerfkonsum Beachtung finden, erlaubt aus unserer Sicht schon mal einen vergleichenden Blick zu “früher” – in Ost UND West.

    • Ich habe wohl alle Folgen mit Martins Eltern gehört und den „Nörgel-Vorwurf” kann ich ebenfalls nicht nachvollziehen. Ganz im Gegenteil: Ich finde, daß Martins Eltern ausgesprochen Ostalgie-frei sind. Die machen beide (zumindest auf mich) den Eindruck, daß sie zwar gern mal in die Vergangenheit schauen (ganz bestimmt auch aus so einem „damals, als wir noch jung waren und der Martin noch klein” 😉 -Gefühl heraus!), aber durchaus gut erklären und differenzieren können, warum „hier” oder „dort”, früher oder heute irgendwas gut, besser oder schlechter war.

      Außerdem finde ich das grundsympathisch und richtig nett, wenn Martins Mutter ins Schwärmen gerät. Mir gefällt das! 🙂

      • Hallo Henriette,

        vielen Dank für den netten Kommentar und das Kompliment. Habe mich sehr gefreut.

        Christine

  8. Zum Thema von DDR Marken, die im Westen begehrt waren, und auch Marken, die es in beiden Teilen Deutschlands parallel gab, denke ich an den Teubner Verlag, der lateinische und griechische Texte ausgab. Ich war Amerikanischer Altertumswissenschafter und 1988 habe ich mich beworben, an einen Ferienkurs fuer Germanistik in Leipzig teilzunehmen, wo ich die Strassen mit lateinischen Buechern gepfastert sein dachte. Da es aber keinen Platz in Leipzig gab, bin ich stattdessen in Rostock gegangen (https://www.flickr.com/photos/ken_mayer/sets/72157617558697292/). Damals existierten gleichzeitig zwei voellig verschiedene Unternehmen mit dem Namen des beruhmten Teubner Verlags, eins in Stuttgart und das andere in Leipzig und die haben vom Aussehen her sehr aehnliche Ware angoboten. https://de.wikipedia.org/wiki/B._G._Teubner_Verlag

  9. Hiho,

    (nein, ich bin nicht die Henriette von da weiter oben – das ist einfach Zufall mit den gleichen Namen 😉 – in der Folge habt ihr gefragt, ob man im Westen auch Orwo-Filme kannte: Na klar! Auf der Transitstrecke zwischen Helmstedt und Berlin gabs – an einer Autobahnbrücke? – ein Riesenbanner: „Orwo – Film aus Wolfen” 🙂 Und natürlich auch jedem Transitreisenden bekannt: „Plaste und Elaste aus Schkopau” – was bei jeder Reise nach Berlin für große Erheiterung sorgte 😉

  10. Da ich die Sendung gerade höre, eine ganz wichtige Marke wurde vergessen. Der Bautz’ner Senf. Wende gut überstanden, und auch Leute im westen Deutchlands wissen ihn zu schätzen. Auch interessant, dass die Marke/Firma offentlich ein positives Beispiel für die Treuhand ist.

    Eventuell noch erwähnenswert: Vita und Club Cola. Inzwischen wohl hoher Marktanteil im Osten, sehr beliebt.

    • Lieber el_loko74,
      stimmt, der Bautz’ner Senf steht auch hier im Kühlschrank und schmeckt nach wie vor sehr gut. Am besten natürlich (neben Born Senf!) zu Thüringer Rostbratwurst!
      Beste Grüße
      Martin

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