SBK033 Jugendweihe

Von Jugendstunden, dem Erwachsenwerden und Lippenbekenntnissen
Erschienen am 25.01.2014

SBK033 Jugendweihe Die Kindheit ist vorbei und das Erwachsensein ist noch weit weg. Dazwischen liegt das, was man wohl Jugend nennt. In vielen Kulturen und Religionen wird der Übergang in diesen Lebensbereich mit einem großen Fest begangen – so auch in der DDR. Doch die Jugendweihe hat ihren Ursprung nicht im Arbeiter- und Bauernstaat, der diesen Gegenentwurf zu kirchlicher Konfirmation und Kommunion aber fest in der eigenen Gesellschaftsordnung verankert hat. Mit meinen Eltern spreche ich über die Vorbereitung auf den großen Tag, die eigentliche Feier und welche Bedeutung ein solches Fest auch heute noch unter anderen Vorzeichen haben könnte: Was muss ein junger Mensch wissen und können und wurde die Jugendweihe in der DDR ihrem Anspruch gerecht?



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avatar Lutz Fischer
avatar Martin Fischer


9 Gedanken zu „SBK033 Jugendweihe

  1. Hallo Martin,
    vielen Dank für deinen Podcast, aber man merkt schon sehr, dass ihr vor der Wende geflüchtet seid.
    Du, dein Papa sucht immer nach den höheren Dingen, die an 99% der DDR-Bürger komplett vorbeigegangen sind. Politik war immer nebensächlich bei der Jugendweihe, es ging nur um Sekt und Ficken, die normalen Dinge, die Jugendliche interessieren.
    Mich würde eine Folge interessieren, in der du jemanden interviewst, der vom Republigtflüchtlingen zum anerkannten Westbürger geworden ist. Was aus den Prager Botschaftsflüchtlingen geworden ist wäre sehr interessant. Es ist natürlich klar, dass diese Leute schwer zu finden sind, wäre aber sehr interressant.

    Dirk

    • Ähm … danke für die anschauliche Beschreibung jugendlicher Feierstimmung – über die Allgemeingültigkeit lässt sich sicher diskutieren, die Idee mit dem Republikflüchtlingen nehme ich aber sehr gerne auf die Ideenliste.

    • @Dirk
      Das ist ja mal ne steile These.
      Das muss ja heißen, dass die DDR-Bürger, die nicht ausgereist sind, was sogar weniger als 99% sein dürfte, sich nur ums Saufen und Ficken gekümmert haben und politisch desinteressiert waren. Ausgerechnet werfen diese Leute uns “Jungen” (einfach nur ne spätere Generation) fehlendes politisches Interesse vor.

      Außerdem sind die Fischers nicht geflohen, sondern ausgereist.

      Gruß
      BrEin

  2. Ich habe grade den Link zu Hoaxilla rausgesucht, weil ich mich auch spontan daran erinnert habe, dass da mal was war – aber ihr habt es ja auch in den Shownotes verlinkt, wie ich jetzt sehe.
    Danke wieder einmal für eine spannende Folge eures Podcasts, der mir als Westkind immer wieder einen “anderen Blick auf die Welt” (große Worte) ermöglicht.
    Ich als Pädagoge würde übrigens Angebote wie Schminkkurse nicht so pauschal als Anzeichen der Kommerzialisierung der Jugendweihe betrachten. Ich könnte mir vorstellen, dass da vielmehr ein geschickter Didaktiker hintersteckt, der sich gedacht hat, dass solch ein Workshop besonders gut zieht – weil man ja auch dazu neigt, den Weg des geringsten Widerstandes zu gehen und sich für die Jugendweihe vllt. nicht immer die großen Themen herauspicken will. Das ist dann aber der perfekte Ort, um Themen wie Schönheitswahn, Werbeindustrie etc. zu problematisieren und die Jugendlichen dafür zu sensibilisieren, dass beispielsweise die ganzen Models auf den Plakaten nur deswegen so perfekt aussehen, weil es Programme wie Photoshop gibt. Wie bekommt man die Zielgruppe da besser gezogen als über so eine Überschrift?

    • Das wäre durchaus möglich und ich fände den “Aufhänger” Schminkkurs für eine weiterführende Diskussion auch nicht verkehrt. Vielleicht ist es ja tatsächlich nur “Marketing”, da wäre mal der Erfahrungsbericht einer / eines Teilnehmer_in interessant. Aber danke für diese Ergänzung!

  3. Hallo Martin, danke wieder einmal für den schönen Podcast. Anzumerken sein noch: Als ich 1988 Jugendweihe hatte, wurde dazu ein Sonderverkauf nur für Jugendweihlinge für die entsprechenden Klamotten vom Centrum Warenhaus veranstaltet und habe das mit meinen Eltern wargenommen. Außerhalb dessen artete es ja oft in “Rennerei” aus, wie sich der DDR-Bürger ausdrückte, etwas schickes, festliches zu bekommen.

    Zu dem Zeitungsartikel von 1955 sei anzumerken, dass du dieser Zeit in der Westpresse der gleiche reißerische Ton angelegt wurde, natürlich in anderer Richtung. Obwohl es die DDR schon gab, las man nur von der “Ost-Zone” und “Sowjetzone” usw. Ich habe eine Illustrierte Stern aus den 50er Jahren, wo man das gut nachlesen kann. Auf dem Titelbild ist übrigens Generalfeldmarschall Rommel als Wüstenfuchs-Held zu sehen.

    So kann man die Berichterstattung in der Presse vielleicht etwas besser einordnen.

  4. 3:30 “… weil die Kirchen im 3. Reich ja auch unterdrück wurden sind…”

    Huch? Das wäre mir aber neu.
    Lieber Martin, hast Du Belege die diese Behauptung stützen?
    Ich vermute eher, dass Du hier einer Legende aufgesessen bist. 😉 Der Legende des atheistischen 3. Reiches
    Wenn Du aber Belege hast, bin ich gerne Bereit mich eines besseren belehren zu lassen.

    Wenn Du möchtest, lege ich hier aber mal vor, und erkläre, warum die Unterdrückung im atheistischen 3. Reiches wohl eher eine Legende ist.
    Etwas zu das Du wohl am ehesten Bezug haben dürftest, ist wohl der Religionsunterricht. Vielleicht hattest Du ihn in der Schule im Westen besucht, wohl aber einige deiner ehemaligen Klassenkameraden. Der Religionsunterricht wurde im Reichskonkordat vom 20.07.1933 (Artikel 21) festgelegt. Und wer der damalige Reichskanzler war, der das Konkordat unterschrieb, kannst Du dir ja denken. 😉 Ihr, und gegebenenfalls Du, habt euren Religionsunterricht also Adolf Hitler zu verdanken. Das Reichskonkordat hatte generell die Aufgabe, die katholische Kirche zur Staatskirche und somit das Christentum zur Staatsreligion zu machen: http://de.wikipedia.org/wiki/Reichskonkordat
    (Das soll jetzt die Leistungen von christlichen Widerstandskämpfern wie Hans und Sophie Scholl nicht schmälern: http://de.wikipedia.org/wiki/Wei%C3%9Fe_Rose aber die Kirchen wurden dennoch nicht unterdrückt. Die Weiße Rose wurde ja “nur” verfolgt, weil sie sich gegen das Regime und somit auch indirekt gegen die Kirchen wanden.)

    Adolf Hitler war römisch-katholisch und wurde bist heute nicht exkommuniziert.
    http://de.wikipedia.org/wiki/Adolf_Hitler#Ideologie
    Joseph Goebbels wurde aber exkommuniziert. Immerhin hatte er ja eine Protestantin geheiratet und dieses ketzerische Verbrechen kann nicht geduldet werden.
    http://de.wikipedia.org/wiki/Joseph_Goebbels#Privatleben
    Heinrich Himmler war, was die Konfession angeht wohl das krudeste. Er kam zwar aus einem katholischen Elternhaus und hatte sich auch katholisch-orientierten Parteien angeschlossen (so auch später der NSDAP), baute sich aber ein esoterisches Weltbild und ein Germanenkult auf. Soweit kein Problem und passte auch wunderbar in die NS-Propaganda. Aber als er anfing die Kirchen für die Hexenverfolgung verantwortlich zu machen, da sie, seiner Logik nach, die germanischen Frauen nur als Hexen denunzierten, weil sie alte germanische Heilkräfte und -wissen besaßen, wurde er von Hitler zurück gepfiffen. Und dass, obwohl Himmler hinter der katholischen Kirche eine Judenverschwörung sah, das Deutsche Volk zu schädigen.
    Aber gegen die Kirche geht man nicht vor, im dritten Reich.
    http://de.wikipedia.org/wiki/Hexenkartothek
    http://www.stern.de/politik/geschichte/zeitgeschichte-heinrich-himmlers-hexen-wahn-605482.html
    (Klar, ist der Germanenkult und die Judenverschwörung Himmlers totaler Blödsinn, aber was war nicht totaler Blödsinn in dieser Ideologie? Und um den zuvor zu kommen, nein, Himmler war auch kein Atheist.)

    Atheisten, und somit mehrheitlich, Humanisten und Aufklärer wurden in den eigenen Reihen nicht geduldet. Leuten die nicht auf Gott schworen konnte man nicht trauen. Wie auch? (Das war gewiss keine Haltung die nur im 3. Reich gang und gäbe war.)
    In Form von Kommunisten wurden diese Leute gar verfolgt.

    Also, das 3. Reich hatte eher das Rad der Zeit zurückgedreht, und die Sekularisierungsbemühungen der Weimarer Republik, die man eher als Unterdrückung aus Sicht eines Katholiken sehen könnte, zunichte gemacht.

    Vor diesem Hintergrund kann man vielleicht verstehen, warum nach ’45 es wieder eine Freidenkerbewegung auch in Westdeutschland kam. So kurz nach dem katholischen 3. Reich hatten die Kirchen noch keine Zeit gehabt Geschichtsklitterung zu betreiben und der gottlose Kommunismus war noch keine so große Gefahr.

    Gruß
    Fabian
    P.S. Mir ist klar, dass man diesen Beitrag als Verharmlosung der DDR und der Verbrechen im Namen des Kommunismus ansehen könnte. Meine Meinung ist die: Die Verfolgung der Kommunisten und der kommunistische Widerstand im 3. Reich, rechtfertigen keine Stasi, kein totalitäres System und keine Maueropfer. Mir geht es um eine saubere geschichtliche Aufarbeitung, Einordnung und Bewertung

  5. Ich würde die Jugendweihe nicht auf saugen und f**** beschränken, da gab es sicher welche für Die man das auf den Nenner reduzieren kann.
    Die Geschenke bzw Geld war für uns 80er wichtig. wir haben uns von dem Geld das erste Moped gekauft.
    Den quatsch mit Politik hat bei uns keiner ernst genommen aber sehr wohl das allgemein Gesellschaftluche, was vermittelt wurde.

    bei den Büchern, Weltall Erde Mensch war ein mehr Aufklärung im Evolutionären Prozess mit ein wenig Propaganda, “vom Sinn des Lebens” war nur noch Propaganda – leider.

    bis denne
    Crossgolf_rebel

    • Ich weiß, früher hatte man ja nüscht.

      Aber das Leben in der DDR auf Saugen und Fegen zu reduzieren halte ich auch für falsch. 😛

      Gruß
      Fabian

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