SBK019 NVA

Wir sprechen über den Grundwehrdienst meines Vaters in der Nationalen Volksarmee und welche Erfahrungen er und wir in dieser Zeit gemacht haben.
Erschienen am 06.04.2013

SBK019 NVA Der Dienst bei der Nationalen Volksarmee war für fast alle jungen Männer der DDR Teil des Lebens. 18 Monate dauerte der Grundwehrdienst, wer studieren wollte, musste aber in der Regel für drei Jahre "zur Armee". In dieser Folge sprechen meine Eltern und ich über den Grundwehrdienst meines Vaters und welche Erfahrungen er und wir in dieser Zeit gemacht haben.



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16 Gedanken zu „SBK019 NVA

  1. Hallo Martin,
    herzlichen Dank mal wieder für diesen tollen und unheimlich interessanten Podcast!
    Es macht wirklich großen Spaß Deinen Eltern (und anderen Gästen) zuzuhören um einen Einblick in das Leben in der DDR zu erhalten, den man im “Westen” vorher so nicht bekam.
    Danke für die viele Arbeit die dahinter steckt und hier viel zu wenig gewürdigt wird. Was dabei rauskommt ist wirklich großartig!
    Was mich als Thema brennend interessieren würde wär ein wenig zu hinterfragen, wie für den “einfachen Bürger” der DDR das Leben mit dem Staatssicherheitsapparat (Stasi) so vorzustellen ist. Wie fühlt es sich an nicht genau zu wissen ob der “nette Nachbar von nebenan” nicht doch ein inoffizieller Mitarbeiter der Stasi ist und wie gegenwärtig war der Gedanke unter ständiger Beobachtung des Staatsapparates zu stehen (Abhören von Telefonaten, Abfangen von Briefen, Befragen von Nachbarn, etc.). Ein Zustand, den man sich im “Westen” und in der “freien Welt” ja kaum vorstellen kann.
    Danke nochmal und weiter so!
    Stefan.

  2. Pingback: Vorhersage Sonntag, 07.04.2013 | die Hörsuppe

  3. Hallo Staatsbüger,
    also ich kenne den “EK” nicht als “erfahrenen Kämpfer” sondern als “EntlassungKandidat”.
    Füchse wurden gelegentlich auch als “zwischen Sprutze” benannt.
    Übrigens wenn ein UaZ (Uffz. auf Zeit, einer der sich für 3 Jahr verpflichtet hatte) im 3. Diensthalbjahr war, wurde er KEKS genannt (Könnte EK Sein)
    Ansonsten netter Podcast wenn auch sehr Subjektiv aus Sicht eines “Republikflüchtlings”.
    PS: So wie ich die NVA gekannt habe, glaube ich nicht das dein Vater als EK sehr viel besser war als die EK’s die am Anfang kritisierte…man wurde in der NVA so sozialisiert.

  4. Pingback: Magazin #4, Sonntag 7.4.2013 | die Hörsuppe

  5. Hallo ihr Fischers,

    Ich mag Euren Cast sehr. Vielen Dank für die Arbeit!
    Als ehemaliger Bundeswehrsoldat und gebürtiger Thüringer habe ich mich sehr auf den NVA Cast gefreut. Ich kenne die Erzählungen meines Vaters, der auch bei den Grenztruppen dienen musste, und die anderer Verwandter. Für alle Geschichten gilt, dass es eine harte, manchmal schlimme Zeit war.
    Mir hat leider die nötige Distanz in dem Cast gefehlt. Ich kann nachvollziehen, dass die Erfahrungen, die Dein Vater machen musste, ihn die ganze Zeit nur negativ sehen lassen. Zwischen den Zeilen vermeinte ich aber herauszuhören, dass es, auch unter den verhassten Vorgesetzten, durchaus Menschen gab. Der Spieß zum Beispiel, der sich bemühte, dass der Urlaub nach dem Beinahenvenzusammenbruch doch noch umgelegt werden konnte (er verwaltete sicher ca. 150 Mann, das ist kein leichter Job) und der sogar am Ende noch das Rückrat hatte einem “Querulanten” (ich nenne das mal so, bitte nicht übel nehmen) seinen Respekt zollte.
    Auch die Kameradschaft, die der Armee nunmal eigen ist war sicher positiv.
    Ich will gar nicht die Armee einer Diktatur verteidigen! Das wäre den vielen Opfern, die es auch ohne heissen Krieg gab, nicht gerecht, aber ich weiss, dass in der NVA Menschen gedient haben, die für Ihr Land und ihre Mitmenschen viel durch gemacht haben.
    Ausserdem hat mir die ganz strikte Trennung der Bundeswehr von der NVA gefehlt. Ich meinte herauszuhören, dass Deine Mutter sie beinahe gleich setzt (entschuldigen Sie bitte Frau Fischer, wenn ich Sie da falsch verstanden haben sollte) und die aktuelle, sehr intensive Einsatzbelastung der Bundeswehr nicht wahr nimmt.
    Puhhh, ganz schön viel geworden. Macht bitte dennoch weiter so. Oral History hat es an sich sehr persönlich zu sein und dass ist auch gut so!

    Vielen Dank

    E.D.

    • Ha, ich bin auch Thüringer (auch wenn ich jetzt in B lebe) und war auch beim Bund! Irgendwie hat das auch mein Interesse an der DDR und an die NVA gesteigert.

      Ich würde mich nur freuen, wenn Martin diese Folge den Grenztruppen oder dem Wehrdienst in der DDR allgemein umwidmen würde und einen NVA-Soldaten interviewen würde.
      Auch wenn die Wehrdienstdauer in der DDR “nur” 18 Monate war, wird er es leichter haben und wäre es klüger einen 3 Jährigen zu interviewen.

      Vielen Dank und macht weiter so
      Fabian

  6. Liebe Familie Fischer,

    ich möchte es nicht versäumen, Euch für den interessanten und spannenden Podcast zu danken. Je mehr Folgen ich höre, desto wichtiger erscheint es mir, mehr über das Leben in der DDR und den Staat als solches zu erfahren. Dass dieses in derart offener und sachlicher Form durch Menschen passiert, die alles wirklich erlebt haben, finde ich grandios. Und dass Ihr uns einen Einblick in das eigene (teils sehr private) Leben und die Erinnerungen gewährt, ist sicherlich nicht selbstverständlich. Auf diese Art und Weise erlebt man den Inhalt der Podcasts aber derart hautnah, dass das Hören für mich zu einer Mischung aus Lernen und Unterhaltung geworden ist. Bitte macht weiter so. Euch persönlich wünsche ich alles Gute.

    Es grüßt Euch
    Matthias

  7. Schön, dass das Konzept funktioniert. Wie Du schon schreibst, erheben wir gar nicht den Anspruch, für alle DDR-Bürger zu sprechen, wir glauben aber, dass viele unserer Erinnerungen und Erfahrungen doch in gewisser Weise “typisch” oder ähnlich zu denen waren, die andere zu dieser Zeit in diesem Land gemacht haben. Vielen Dank für den netten Kommentar – wir machen natürlich weiter!

    • Hallo,

      ich nehme mal an, Du bist der Martin. 😉
      Ich möchte dich um zwei Dinge bitten. Zum einem verwende bitte deinen Klarnamen, wenn Du hier postest. Entweder als Nick oder in der Grußformel (so wie ich 😉 ).
      Ich weiß im Grunde nicht wer schreibt, ob nun der Martin, der Lutz oder die Christine. Dabei kenne ich aber die Namen der Drei und weiß dass es einer von ihnen gewesen sein muss.
      Dem Schutze kann es nicht dienen und dem Verständnis ist es nur hinderlich.

      Wenn Du auf ein Kommentar antwortest, dann doch bitte direkt. Also auf dem Reply-Button unter dem jeweiligen Kommentar, sodass diene Antwort auch direkt darunter erscheint. Oder schreibe bitte, auf wen Du deine Antwort beziehst (“@….. “). Ab zehn Autoren wird es einfach schwierig, wen Du mit “Du” meinst. 😉

      Ansonsten muss ich dich, deine Familie und deine Gäste außerordentlich loben. Ich bedanke mich vielmals für diese tolle Art der DDR-Aufklärung.
      Ich bedauere es sehr, dass im ZDF das Thema DDR-Erklärung-Verklärung thematisiert wird, man keinen Meter im Thema vorankommt, und dann nicht mal mit einer Silbe auf diesen Podcast verweißt: http://blog.zdf.de/zdflogin/2014/02/06/zdf-log-in-zum-thema-ddr-verpasst/#more-121117

      Gruß
      Fabian

  8. Danke für Deine Ergänzungen und Kommentare. Natürlich berichten wir aus einer persönlichen Sicht heraus und natürlich möchten und können wir nicht alle, die in der NVA gedient haben (oder dienen mussten) über einen Kamm scheren. Von daher nochmals danke für Deinen Kommentar. Und es sollte nicht so raus kommen, dass Bundeswehr und NVA auf dem gleichen Grundgedanken beruhen! Man mag zum Militär(dienst) stehen, wie man mag, aber natürlich gibt es durchaus einen Unterschied zwischen einer demokratisch eingebetteten Bundeswehr und einer Nationalen Volksarmee, die zur Sicherung einer Diktatur auch ihre eigene Bürger als Feinde ansieht, wenn diese versuchen, aus dem Land zu fliehen.

  9. Hallo Ralf,
    natürlich ist dieser Podcast subjektiv, das ist ja Sinn der Sache: eine ganz persönliche Sicht des Lebens in der DDR zu zeigen. Und mit dem “EK” ist das so eine Sache. Ob Du es glaubst oder nicht, meine beiden Freunde und ich waren “EK”s, die sich freuten, wenn alles grün wurde, denen dann ging es bald nach Hause und andere schikanieren, das kann ich bestimmt nicht. Mir fällt es ja schon schwer, anderen, die mich ärgern, zurück zu ärgern. Und in unserer kleinen Einheit mit 30 Soldaten können 3, die sich einig sind, schon den Ton angeben.
    Lutz (der Vater aus dem Podcast)

  10. Danke für den Themenvorschlag – ich habe ihn auf die Liste gesetzt. Da wir jetzt aber gerade erst mal so viele “schwere” Themen hatten, versuchen wir uns in der nächsten Folge mal wieder an etwas mehr Alltäglichem. Aber die Stasi wird bestimmt ein Thema werden. Vielleicht sogar eines mit Experten.

  11. Ich war ab ’85 fuer 18 Monate bei der Armee und finde ebenfalls, dass dies nicht nur gestohlenen Lebenszeit, sondern auch eine richtig beschissene Zeit gewesen ist. Nicht eine einzige Erfahrung dort, war es Wert, gemacht zu werden. Auch die gerne und viel beschworenen “Kameradschaft” sah nach der Kenntnis meiner Stasi-Akte ganz anders aus. Meine Erfahrung ist, Kameradschaft bei der NVA ist ein Mythos und in gewisser Weise eher Selbstschutz und Verdraengung.

    Die DDR war mein Heimatland und ich habe sehr viele warme und schoene Erinnerungen an meine Zeit dort, doch die Armee war das Surrogat allen Boesen und Schlechten … was es dort auch gab.

    In meine Zeit bei der NVA vielen zwei wichtige geopol. Ereignisse, die bis hin zu mir in “das Objekt” durchschlugen. Das eine war die US-Bombardierung Libyens, zu der wir einen mehrere Tage anhaltenden und sehr beklemmenden Gefechts-Alarm spendiert bekamen. Da ich in einer Luftlandivision war, wurden wir alle in riesige Hubschrauber verfrachtet und ich habe fest damit gerechnet, dass es nun an die Front in irgendeine Scheisswueste ging. Zum Glueck landeten wir nach ein paar Stunden wieder und ich erinnere, dass selbst die Offiziere sehr nachdenklich aussahen. Das war das erste mal, dass ich richtige Todesangst hatte und mir wurde auch klar, dass es ueberhaupt keine Moeglichkeit zum Desertieren gibt, was ich mir in einem solchen Fall fest vorgenommen hatte …

    Das zweite war “Druschba ’86”. Ein Manoever, das mit Bedacht in Polen, dass nun unter Jaruselskis Kriegsrecht stand, abgehalten wurden. Die Polen begruessten uns natuerlich mit “Heil Hitler”, echter Wut und unglaublichem Hass. Und ich konnte sie zu 100% verstehen und bewunderte ihre Zurueckhaltung uns nur mit faulem Obst und nicht mit Steinen zu bewerfen. Ich stand ohne eigenes Zutun auf der falschen Seite – mit einer Mpi und zwei Magazinen scharfer Munition. Waere das Manoever “heiss” geworden, haette ich wiederum ueberhaupt keine Moeglichkeit gehabt mich zu verziehen. Fuer die Polen waere ich der Feind gewesen … mit entspr. Konsequenzen.

    Heute weiss ich, es war ein Fehler zur NVA gegangen zu sein. Richtig waere gewesen, schon mit 18 oder wenigstens vor der Einziehung (es gab eine angekuendigte 2. Musterung), einen Ausreiseantrag zu stellen und nicht erst danach. Dies waere ganz sicher eine Sache, die ich in meinem Leben, haette ich noch mal die Chance, anders machen wuerde.

    Ich lebe nun schon seit vielen Jahren in Sued-Ost-Asien und mithin ist es eine ganz merkwuerdige Sache, euren Podcast zu hoeren. Mein Alltag Heute ist Lichtjahre von einem moeglichen Alltag in Deutschland entfernt, aber zwischen meinem Hier&Jetzt und dem Damals&DDR, da liegen wirklich Abgruende … Galaxien … Universen … 😎 Euer Podcast ist eine phantastische Raum-Zeitreise, die mir zwar sehr surreal anmutet, aber trotzdem sehr viel Spass macht und Erinnerungen wach ruft, von denen ich gar nicht wusste, dass es die gab – Vielen Dank !

    • Hallo MaxSim,

      ich möchte mich vielmals für deinen Beitrag bedanken. Vielen Dank für den Einblick in deine Erfahrenswelt, die mir bisher als DDR-Bürger der 3. Generation (Baujahr ’85) und Bundeswehrsoldat verschlossen war.

      Ich habe ein paar diffuse negative Berichterstattung über die NVA-Zeit gehört, wo man sich sagen kann, “Na ja, es war halt die Armee und ihm (der, der sich negativ äußert) hat es nicht gelegen.”. Mein Vater war 3 Jahre bei der Luftwaffe in der DDR und er hatte nicht viel schlechtes zu berichten.
      Aber auch er hatte mal so einen Zwischenfall wie Du in seiner Dienstzeit erlebt. ’68 zum Prager Frühling wurde auch seine Einheit aufmunitioniert und stand einsatzbereit.
      Auch mein Vater hatte da Muffensausen. Einer der vielen Gedanken war, “Wenn jetzt hier einer durchdreht…”.

      Ich denke eines der größten Probleme in der NVA bei solchen Angelegenheiten war, dass man nicht darauf vorbereitet war. Klar, gab es Alarm- und Bereitschaftsübungen. Aber alles zur Landesverteidigung falls der Klassenfeind einrückt und die Konterrevolution auszuruft. (Oder sowas….)
      Es sind nun mal zwei verschiedene Sachverhalte, ob man zur Landesverteidigung ausrückt oder ob man seine Sachen packt und am Arsch der Welt verreckt.
      Die Vorbereitung, und das Eingeständnis der obersten Heeresführung sich und der Bevölkerung gegenüber fehlte dazu.
      Einem Bundeswehrsoldaten wäre es ’85 auch nicht anders ergangen, wenn er hätte ausrücken müssen um die Freiheit am Hindukusch zu verteidigen.

      Gruß
      Fabian

  12. Hallo Martin, danke für deinen Podcast! Gegen Ende hattest du noch einen anderen erwähnt, den wollte ich gerade in der Linkliste nachgucken, finde aber nichts in die Richtung. Der Datenschutz-Infolink zu Akismet müsste auch neu, der führte mich nur zu einer “Ups, nicht gefunden”-Seite. LG Bernd

    • Hallo Bernd,
      danke für das Lob! Meintest Du den Podcast-Tipp von Sebastian Fiebrig? Das war “Opa Harald erzählt”, der aber leider schon eingestellt wurde. Alle erschienen Folgen sind aber nach wie vor sehr empfehlenswert und hier zu finden: http://opa-harald.de
      Und den kaputten Link habe ich auch repariert, danke, dass Du das bemerkt hast!
      Beste Grüße
      Martin

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