SBK003 Schulsystem (Teil 2)

Nahtlos schließen wir an die letzte Folge an und sprechen über den Oberstufenunterricht im DDR-Schulsystem.
Erschienen am 05.05.2012

SBK003 Schulsystem (Teil 2) Nahtlos schließen wir an die letzte Folge an und sprechen über den Oberstufenunterricht im DDR-Schulsystem. Nach einem kurzen Abriss der Fächer beschäftigen wir uns ausführlich mit den verschiedenen Schulabschlüssen und gehen der Frage nach, ob nach der Schule im Arbeiter- und Bauernstaat jeder wirklich seinen Traumberuf ergreifen konnte. Außerdem klären wir besondere Arten der Talentförderung und erinnern an den Polytechnischen Unterricht. Gegen Ende wagen wir dann noch ein kleines Gedankenexperiment (angeregt durch einen Artikel aus der "Zeit"): Gab es positive Elemente der DDR-Schule, die selbst heute noch zur "Bildungsreform" taugen würden?




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Artikel aus der “Zeit”

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18 Gedanken zu „SBK003 Schulsystem (Teil 2)

  1. Schön, dass ich über den Podcast gestolpert bin. Ich hoffe, dass noch viele Episoden folgen werden und danke der Dreiergruppe für den kurzweiligen, unaufgeregten, informativen Podcast. Bis zur nächsten Episode! : )

  2. Ich bin durch bitlove.org auf diesen Podcast aufmerksam geworden. Die bisherigen Folgen haben mir ausgesprochen gut gefallen.
    Ich konnte das DDR-Schulsystem nur noch 5-6 Jahre erfahren, finde Eure Betrachtungen aber sehr objektiv. Auch ich bin der Meinung, dass man durchaus sehr gute Aspekte in das aktuelle System übernehmen könnte. Leider werden alle Versuche, die in diese Richtung gehen immer gleich mit dem Totschlagargument ‘DDR=böse’ unter den Tisch gekehrt. Eine sinnvolle Diskussion ist hier (noch ??) nicht möglich.
    Eine gute Gemeinschaftsschule erfordert von den Lehrern, sich auf die unterschiedlichen Begabungen der Schüler einzustellen. Dies scheitert im Moment, wie meine persönliche Erfahrung zeigt, schon in der Grundschule: gute Schüler werden ausgebremst und müssen sich an die Lerngeschwindigkeit der Lernschwächsten anpassen. Eine Beschäftigung mit anspruchsvollen Alternativaufgaben ist die Ausnahme. Hinzu kommt das von Euch schon angesprochene Problem, dass gute schulische Leistungen als ‘uncool’ gelten. Das Verständnis, dass man fürs Leben und nicht für die Schule lernt, scheint völlig abhanden gekommen zu sein.

    In diesem Sinne: macht weiter so. Ich freue mich auf weitere Folgen.

  3. Machen wir – und vielen Dank für Deinen Kommentar. Im Artikel wurden ja auch die skandinavischen Schulsysteme angesprochen, deren Urheberinnen und Urheber sich meines Wissens auch “damals in der DDR” umgesehen und informiert hatten. Vielleicht kommen ja (positive!) Elemente “über Bande” wieder in den Diskurs?

  4. Das ist momentan – ganz profan – ein Loop aus GarageBand namens “Sprightly”. Wenn ich mal Zeit™ habe, bastel’ ich da mal was Individuelleres.

  5. Netter Podcast!

    Zur beruflichen Laufbahn:
    Wer nach der 8. Klasse die Schule verlassen hat wurde Teilfacharbeiter (z.B. Fluchtenmaurer). Wer die 10. Klasse erfolgreich abgeschlossen hatte, wurde Facharbeiter (z.B. Schlosser, Installateur). Der wesentliche Unterschied war, das man einen Ausbildungsplatz bzw. Arbeitsplatz bekam – wenn auch nicht unbedingt den Wunscharbeitsplatz.

    Ob sich etwas rechnet oder nicht …
    Man muss bedenken, dass Staat und Wirtschaft eine Einheit waren. Die Ausbildungsaufwendungen kamen der (Volks-)Wirtschaft zugute, weil die z. B. Azubis nicht ganz so “blöd” waren wie heute.

    Nebenbei, wer in seiner Ausbildung gut war, konnte immer noch vom Betrieb aus zum Studium delegiert werden.

    POS 1981-1991

    mfg W. C.

  6. Vielen Dank für die Podcastreihe; ich bin über NSFW von Holger Klein darauf gestoßen worden und arbeite mich jetzt durch Eure Episoden.
    Einige Einwände, die ich als “Westschüler” und jetzt Lehrer und Vater doch anbringen möchte:
    – einige wenige Lernverweigerer können eine ganze Klasse ausbremsen. Von daher ist Eure Beobachtung, des Trends, einer ständigen Anpassung nach unten, nur beizupflichten.
    Doch würde ein gemeinsamer Unterricht von potentiellen Abiturienten und Schülern, denen es an elementarsten Dingen (z.B. ein Mindestmaß an Ehrgeiz, Beherrschung der deutschen Sprache…) mangelt, das Problem nur verschärfen.

    – es gibt und gab immer (eher) gute und (eher) schlechte Lehrer „hüben und drüben“. Der Ruf nach „dem guten Lehrer“ ist zwar verständlich. Aber: Zum einen gibt es diese nach wie vor, zum anderen darf man aber auch den besten nicht überfordern, z.B. durch zu heterogene Lerngruppen.

  7. Danke für das Lob, der Holgi hat wirklich eine nette Empfehlung ausgesprochen. Natürlich kann der gute Unterricht nicht nur am Lehrer allein liegen, die Schüler sollten auch nicht nur passive Teilnehmer sein und über das richtige Rüstzeug verfügen. Und es stimmt, es gibt auf jeden Fall noch gute, wenn nicht sogar tolle Lehrer!

  8. Vielen Dank auch von meiner Seite, ich bin auch über Holgi auf Euren Podcast gekommen und bin gerade dabei die Folgen nachzuhören.
    Da ich auch meine Jugend in der DDR verbracht habe kann ich die Inhalte und Eure Darstellung ziemlich gut einschätzen: Ihr macht das wirklich prima und objektiv.

    Danke und weiter so!

  9. Hallo alle Miteinander,

    ich möchte etwas zur Diskussion bzgl. sozialem Status und Bildungserfolg beitragen. Wenn ich die Eltern hier richtig verstanden habe, dann ist der soziale Status eines Kindes eher irrelevant. Seine Bildungsmotivation ist eher relevant. Ist das so?

    a) Geld (der Eltern) hat durchaus Einfluss auf den Blidungsweg der Kinder. Ich habe selbst miterlebt, wie eine Mitschülerin zu Tode betrübt war, wo sie doch bei der ganzen Nachhilfe, “nur” eine zwei bekommen hat. Wer die Tarife für Nachhilfeschulen/ -lehrer kennt, der weiß, dass es teuer wird. Die Diskussion um G8 wirkt hier verschärfend: der selbe Stoff in weniger Zeit -> Tendenz, eher Nachhilfe in Anspruch zu nehmen. Dazu kommt: teure Bildungsreisen, Austauschjahre, Förderungen aller Art. In der DDR gab es keinen privaten Bildungssektor, natürlich hat ein Studi sicher mal ein paar Mark mit Nachhilfe verdient. Eine Bildungungsindustrie, die sich um das letzte Glied und das Studium gruppierte, gab es in der DDR nicht.

    b) Der Habitus (der Eltern) spielt eine wichtige Rolle. Eltern, die Abitur / ein Hochschulstudium hinter sich haben wollen dies tendenziell auch für ihre Kinder. Es ist Teil der Identifikation einer bestimmten gesellschaftlichen Gruppe. “Mein Kind hat zu studieren” (Ob es das will ist die andere Frage) Eltern, die “bildungsfern” sind, werden ihren Kindern eher vermitteln, schnell Geld zu verdienen. “Es braucht auch den Arbeiter, wozu die Uni, man kann auch so Geld verdienen”. Wachse ich als Kind in einer Akademiker-Familie auf wird tendenziell anders auf meine Bildungsbiographie eingewirkt, als wenn ich Kind einer Arbeiter-Familie bin.

    c) die individuelle Stellung in der Gesellschaft, deren Reflexion hat ebenfalls Auswirkungen auf den Bildungserfolg. Ein türkisches Kind, dass von der Gesellschaft ein bestimmtes Bild (über sich) gespiegelt bekommt, wird eine andere Bildungsbiographie durchleben als ein deutsches, englisches oder skandinavisches Kind in Deutschland.

    Die finanziellen / interlektuellen Möglichkeiten der Eltern, ihr Habitus / soz. Stellung und die Reflexion, die die Umwelt über eine bestimmte Gruppe spiegelt -> die soziale Stellung haben Einfluss auf die Bildungsbiographie.

    Als “Kommando-Staat” konnte die DDR auf die finanziellen / interlektuellen Möglichkeiten der Eltern, ihren Habitus / soz. Stellung sowie die Reflexion, die die Umwelt über eine bestimmte Gruppe spiegelt, stark beeinflussen. Nicht umsonst wurde Agitation und Propaganda gestreut. Nicht umsonst wurde sehr viel in Bildung investiert. Nicht umsonst wurden “Arbeiterkinder” bevorzugt.

    Das Thema ist sehr komplex. Das aufgeladene Erbe der alten BRD (3-glied-System) trifft auf neue Erkenntnisse der Soziologie / Pädagogik. Unterfinanzierte Schulen treffen auf die Wissensgesellschaft. Wettbewerbsförderalismus trifft auf (ersetzt) sozialistischen Einheitsstaat.

    Korintenscheißerfrage: warum sind die Fächer Biologie, Physik, Mathe wissenschaftlich (wurden im Cast so formuliert), Geschichte und Sozialkunde aber nicht? Was ist der Maßstab für Wissenschaftlichkeit?

    Nach den Ergänzungen: war eine super Folge! Für mich der schon einiges über die DDR weiß, gabs ein wenig neues. Das war gut. Danke für deine Arbeit.

    Gruß, David

  10. Der Podcast gefällt mir bisher sehr gut: Danke dafür!

    Zum Thema schlechtere Bildungschancen für Kinder aus finanziell schlecht gestellten Familien:

    Während meiner Schulzeit (1995-2008) habe ich gelernt, dass Schule in der BRD nur theoretisch kostenlos ist.

    – Geld braucht man für Klassenfahrten, Schulausflüge, Wandertage Theater, Museen etc. (Eintrittsgelder und Fahrkarten). Wer das nicht hat, kann nicht teilnehmen.

    -Jedes im Deutschunterricht behandelte Buch muss privat gekauft werden. Leihexemplare werden nicht akzeptiert, um Notizen/Markierungen im Buch vornehmen zu können.

    -Es wird Kopiergeld für Arbeitsblätter eingesammelt.

    -Materialien für z.B. Kunstunterricht müssen selber erworben werden -> wer mehr Geld hat, hat besseres/mehr Material -> hat es leichter.

    Unter Umständen kann man staatliche Hilfen für eine Klassenfahrt erhalten. Um den Rest muss man sich definitiv selber kümmern.

    Das sollen nur ein paar Beispiele für Hürden sein, die ich aufgrund des sehr knappen Geldes in meiner Familie meistern musste. Letztendlich habe ich ein sehr gutes Abitur geschafft, aber andere hatten es leichter.

    • Das ist ein wichtiger Punkt – gerade der mit den Klassenfahrten, aber auch mit den Materialien. Partizipation am (schulischen / solzialen) Leben ist in der Tag teuer. Das mit den Notizen im Buch (meistens muss ja auch noch eine spezielle Ausgabe sein) finde ich besonders dreist – die Notizen kann man ja auch separat machen.

  11. da will ich doch mal etwas hier einbringen, was mir im Gemeinschaftskundeunterricht beigebracht wurde: In der Bildungstheorie kann die Leistung eines Schülers als Ergebnis von Begabung und Umfeld angesehen werden. In der DDR wurde die Begabung als irrelevant hingestellt – nur das Umfeld zählte. Deshalb waren auch Lehrer für schlechte Ergebnisse von Schülern verantwortlich – sie haben Ihnen es ja nach Ideologie nur nicht richtig beigebracht. Sie Schule sollte aus allen alles machen können.

    Noch etwas zu den Spezialschulen und auch Spezialklassen an den Hochschulen – am Anfang der 80er Jahre hat die DDR-Führung wohl schon mitbekommen, dass man entwicklungsmäßig in der Industrie international sehr hinterher hing. Es gab zwar mittlerweile eine Produktionsmasse aber deren Entwicklung war stehen geblieben (auch weil Weiterentwicklungen auf Grund von steigendem Materialbedarf nicht genemigt wurden). Deshalb wurde von der Maxime – eine Bildung für alle, und aus allen ist alles zu machen – abgewichen und hat doch versucht innerhalb erwähnter Einrichtungen begabte Schüler in Vorbereitung auf ein Ingenieurstudium zu fördern. Während man wie erwähnt normalen Schülern die versuchte die verlängerte Militärlaufbahn schmackhaft zu machen hat man Ingenieurstudenten sogar eine verkürzte Laufbahn angeboten.

  12. Hallo!

    Ein wirklich sehr, sehr wichtiger Podcast. Ich bin wirklich gespannt auf die vielen Folgen, die noch vor mir liegen. Eine Anmerkung zu dem Thema Spezialschulen: Es gab sie nicht nur für Sport, Naturwissenschaften und Sprachen sondern auch für Musik.
    Meines Wissens gab es in Berlin, Weimar und Halle und Dresden Spezialschulen, die vor allem dafür gedacht waren, Schmieden für die an den entsprechenden Standorten (Halle als Ausnahme für Leipzig) ansässigen Musikhochschulen zu sein.

    Ich weiß, daß die klassische Ausbildung in der Musik in den letzten 25 Jahren immer mehr in die Schublade “Kultur kostet Geld und interessiert sowieso keinen” geschoben wird. Jedoch ist es aus meiner Sicht auch mal einen Blick für Dich wert, Dich mit der (hoch)kulturellen Dichte in der DDR auseinader zu setzen. Ich denke, da findest Du eine Menge Zeitzeugen als Gesprächspartner. Ich kann Dir, wenn Du das willst, auch gerne den ein oder anderen Interviewpartner vermitteln. Ich arbeite in einem entsprechenden Metier und habe viele Kollegen, die ihren Werdegang in der DDR gestartet haben.

    Habe gerade geschaut, daß Du eine oder zwei Folgen zum Thema hast – ich werde mir das gleich mal anhören. Insofern wird mein Angebot wohl nur vertiefend sein, aber wenn Du Interesse an solchen Gesprächspartnern hast: meine eMail – Adresse stimmt 😉

    Und wirklich tolle und wichtige Arbeit!

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